Im dritten Teil unserer “Agorapulse Expertenrunde” stellen wir einige Fragen an Alyssa Meister, die Social-Media-Strategin der Polizei NRW.

Im Interview schauen wir uns gemeinsam den Arbeitsalltag von Alyssa an und wie sie und ihr Team diesen remote meistern. Außerdem gehts neben Social-Media-Metriken auch über TikTok und ihre beruflichen Ziele. Wie bei den anderen Interviews ist sicher einiges an Futter für Ihre eigene Social-Media-Strategie dabei. 

Welches sind deine Top 3 Social-Media-Metriken? Welche sind in jedem Reporting?

Organische Reichweite, Engagement-Rate und CTR. Diese Metriken ermöglichen es uns zu überprüfen, ob unsere Botschaften bei den Usern ankommen. Ergänzend dazu sind für uns im Detail die Anzahl der Reaktionen, Shares und Kommentare sehr relevant. Darüber lässt sich ein gutes Stimmungsbild erzeugen und daraus wiederum ableiten, was unsere User bewegt.

Welches waren die größten Herausforderungen 2020 und wie haben du und dein Team diese gemeistert?

Wie sollte es anders sein: Corona. Corona hat für uns als Landesredaktion viele neue Aufgaben mit sich gebracht, die weit über Social Media hinausgingen. So waren unsere begrenzten Kapazitäten sicherlich eine der größten Herausforderungen, zumal die landesweite Social-Media-Arbeit auch hier massiv zunahm. Dank einem sehr motivierten und engagierten Team konnte der Workload letztendlich bewältigt werden. Allerdings gab es auch genug Tage, an denen wir alle von früh morgens bis spät abends am Rechner saßen. Schließlich ist Corona (zurecht) ein Thema, das bewegt – und die Polizei als Exekutive das Staatsorgan, das neben dem Ordnungsamt für die Durchsetzung von Maßnahmen zuständig ist. Das ist eine Aufgabe und ein Prozess, der kommunikativ auch auf Social Media gut begleitet werden muss, z.B. in Form von Info-Grafiken.

Abgesehen davon gab es natürlich auch bei uns Home Office bzw. Telearbeitsregelungen. Da wir aber alle schon vorher regelmäßig im Home Office gearbeitet haben, bestand zumindest hinsichtlich der Kommunikation untereinander keine große Hürde. Schwieriger wurde es bei der gemeinsamen Contentarbeit, insbesondere bei zeitkritischen Videos: Da plötzlich so viel mehr Leute von Zuhause aus gearbeitet haben, gab es anfangs Probleme mit den Netzkapazitäten. Unsere IT hat da aber einen super Job gemacht und immer kurzfristig gute Lösungen gefunden.

Was hat sich in deinem Arbeitsalltag durch Corona verändert?

Im Arbeitsalltag ohne Corona bin ich relativ viel unterwegs auf Außen- und Drehterminen. Die konnte ich im Sommer zwar größtenteils wieder wahrnehmen und Material vorproduzieren, aber in der 1. Welle und jetzt in der 2. Welle fehlt mir die Abwechslung schon sehr. Ebenso meine Kollegen, die ich dieses Jahr wirklich kaum gesehen habe. Wohl eine der größten Veränderungen für mich persönlich ist die wegfallende Pendelei. Die vermisse ich wirklich nicht. Andererseits freue ich mich auch wieder aufs Büro – denn Büro bedeutet am Ende eben doch Abwechslung und sozialen Austausch. Daher sehe ich diese Veränderung als Fluch und Segen zugleich. Ansonsten hat sich mein Alltag in der Social-Media-Arbeit nicht großartig verändert.

Womit verbringst du im Arbeitsalltag am meisten Zeit?

Einen Großteil der Arbeitszeit verbringen wir in der Landesredaktion damit, Ansprechpartner:innen für technische, inhaltliche und strategische Fragen zu sein. Abgesehen davon beschäftige ich mich vor allem mit der Content-Produktion für landesweit relevante Themen, wie beispielsweise Imagevideos über die Polizeifliegerstaffel und die Wasserschutzpolizei.

Das fängt z.B. bei der Drehvorbereitung an, geht über den Dreh, die Postproduktion und endet mit dem Abnahmeprozess bzw. dem finalen Social-Media-Post. Dazwischen erstelle ich Reportings, arbeite mit an Projekten, treibe die Social-Media-Strategie voran und supporte an anderen Stellen. Immer in enger Zusammenarbeit mit meinen Kolleg:innen. Mein und unser Arbeitsalltag ist also normalerweise sehr vielfältig und der Tag hat oft zu wenig Stunden.

Welches waren deine Top 3 Ziele für 2020?

Unsere Top 3 Ziele für 2020 waren einerseits das Thema Videoproduktion in der Polizei NRW voranzutreiben, neue Wege in Social Media zu gehen und mein ganz persönliches Ziel: noch mehr über die Polizei zu lernen.

Und ich würde sagen Ziele erreicht: Wir selber haben unsere Videoproduktion massiv ausgebaut und produzieren immer mehr Bewegtbild. Zum Beispiel konnten die Teams der Verkehrsunfallprävention dieses Jahr nicht an die Grundschulen, um Kindern u.a. das richtige Verhalten im Straßenverkehr beizubringen. Stattdessen gab es kreative Videoserien für Kinder.

Dann sind wir als Polizei NRW dieses Jahr erfolgreich auf TikTok gestartet und immer mehr Kreispolizeibehörden eröffnen nun ihre Kanäle auf Instagram. Das heißt für uns: Wir konnten Vorbehalte bei den Führungskräften gegenüber Social Media abbauen und sie ermutigen, diese neuen Wege zu gehen.

Und ich als Regierungsangestellte und Nicht-Polizistin habe spannende Einblicke in den Einsatzalltag erhalten. Das sind Einblicke, die für mich und meine Arbeit unfassbar kostbar sind. Denn nur was man versteht, kann man auch vernünftig kommunizieren.

Vielen Dank für die spannenden Insights, Alyssa Meister!